Virtual/Augmented Reality Brillen und ihre Einsatzzwecke

Wer in die virtuelle Welt einsteigen will, braucht die entsprechende technische Ausstattung. Egal, ob es eine vollständige Immersion in einem Videospiel oder Einblendungen im Alltag sein sollen: Ohne VR oder AR Brillen keine Virtual oder Augmented Reality. Grund genug, heute einmal die verschiedenen Arten von Geräten und ihre Einsatzzwecke genauer zu beleuchten!

Virtual Reality oder Augmented Reality?

Eine große Anzahl von Geräten warten auf Nutzer, die sich ganz oder teilweise virtuelle Welt begeben wollen. Diese Brillen sind jedoch für unterschiedliche Zwecke geschaffen und müssen daher auch in unterschiedliche Kategorien unterteilt werden – sonst droht schnell Enttäuschung, wenn für das eigene Vorhaben die falsche Technologie angeschafft wurde!

Die wichtigste Frage ist, ob es sich um eine erweiterte oder völlig neue Realität handeln soll, in die wir als Nutzer eintauchen. Augmented Reality ist dabei die Anwendung, die unsere Welt durch zusätzliche Informationen erweitert. Dabei handelt es sich in der Regel um Einblendungen auf einem Bildschirm, aber auch akustische Signale in unserer Umgebung sind möglich.

Ein typisches Beispiel ist das sehr erfolgreiche Videospiel “Pokémon GO!”, dass den Bildschirm unseres Smartphones nutzt, um unsere Umgebung und Spielelemente gleichzeitig abzubilden. Auch in Industrie und Wirtschaft sind solche Anwendungen bereits verbreitet: Arbeiter mit speziellen Augmented Reality Brillen können etwa Hinweise für ihre Tätigkeit in ihr Sichtfeld einblenden lassen, ohne das eigene Tun zu behindern.

Unter Virtual Reality verstehen wir hingegen das Eintauchen in eine ganz neue Welt, die nichts mit unserer echten Umgebung zu tun hat. Jede Art von Videospiel an einem Bildschirm ist, genau genommen, eine Virtual Reality Anwendung – sie ist jedoch nicht immersiv, da der Spieler sich “außerhalb” befindet, also stets ein Zuschauer bleibt.

Voll-Immersive virtuelle Realitäten haben hingegen in den letzten Jahren einen ungeahnten Siegeszug angetreten: Ausgestattet mit VR-Brillen, können wir als Anwender komplett in die digitale Welt eintauchen, uns umsehen und über Kontroller mit ihr interagieren. Diese Möglichkeiten sind für Videospiele, Simulationen, Besichtigungen usw. ideal.

Zwischen diesen beiden Extremen finden wir noch die Mischform: semi-immersive virtuelle Realität kommt zum Beispiel in professionellen Flugsimulatoren zum Einsatz. Während das Cockpit, die Anzeigen, Steuerknüppel usw. einem realen Flugzeug nachempfunden sind, ist die Szene, die sich vor den Festen abspielt, digital erzeugt. Hier verbinden sich beide Elemente, um Piloten ideal für ihre Arbeit auszubilden.

Das sind die Unterschiede bei VR-Brillen

Wer die Anschaffung einer Virtual Reality Brille plant, steht vor der Wahl zwischen verschiedenen Konzepten. Mit Ausnahme des Spielekonsolen-Bereichs, wo in der Regel nur eine VR-Brille pro System zur Verfügung steht, haben Anwender immer die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Headsets zu wählen – Unterschiede in Preis und Komfort sind hierbei entscheidend.

Mobile VR

Wer gerne eine virtuelle Besichtigungstour unternehmen, 360° Videos oder Simulationen betrachten oder mit einfachen Spielen seinen Spaß haben möchte, kann sich diesen Wunsch schon mit einem leistungsstarken Smartphone und einer passenden Brillenkonstruktion erfüllen.

Diese, als “Mobile VR” bekannte Variante, bietet den einfachsten und günstigsten Einstieg in die Virtual-Reality-Welt, da hierfür keine teure Hardware angeschafft werden muss. Die Brillen können aus einfachem Kunststoff oder sogar Karton sein und nehmen das Smartphone auf. Spezielle Kontroller kommen oft im Set, können zusätzlich erworben werden oder sind in manchen Fällen überhaupt nicht notwendig.

Googles “Cardboard” zählt zu den bekanntesten Angeboten, da die Karton-Konstruktion als Open Source verfügbar ist, sie also kostenlos genutzt werden kann. Verschiedene Unternehmen bieten solche Produkte sogar als Werbegeschenke an, denn die Kosten sind denkbar niedrig.

Unter den hochwertigeren Kunststoff-Produkten sticht vor allem die “Samsung Gear VR”-Brille hervor, die mit ihrem vergleichsweise hohen Preis von etwa 100 Euro auch das teuerste Modell darstellt und auf die Smartphones des Herstellers ausgerichtet ist. Deutlich günstiger (und ohne Fokus auf ein bestimmtes Mobiltelefon) geht es mit der “BNEXT VR PRO”, die schon ab etwa 40 Euro zu haben ist.

Obwohl Mobile VR vor allem in den Anfangsjahren des Virtual-Reailty-Hypes sehr viel Aufmerksamkeit erfuhr, sank das Interesse nach und nach. Die großen Hersteller, darunter Google und Samsung, haben sich bereits aus dem Feld zurückgezogen, während kleinere Unternehmen noch gelegentlich Brillen und Zubehör auf den Markt bringen.

Vor allem dank der niedrigen Kosten können Besitzer eines hochwertigen Smartphones aber nach wie vor viel Spaß mit Mobile VR haben. Es ist daher der ideale, erste Einstieg in die Virtual Reality Welt.

PC-Basiert

Leistungsfähige Virtual Reality Systeme sind auf die Rechenpower eines Computers oder Spielekonsole angewiesen, um besonders hochwertige Spielwelten oder Simulationen zu erzeugen.

Während die dafür eingesetzten Brillen schon mit hohen Kosten zu Buche schlagen können, sind es meist die benötigten PCs oder Konsolen, die den Gesamtpreis drastisch nach oben treiben. Zusammen mit dem Platzbedarf durch Kabel, Sensoren und Co. ist diese Lösung daher vor allem bei ambitionierten Gamern beliebt, wohingegen Gelegenheitsanwender eher zurückschrecken.

Wer den finanziellen und sonstigen Aufwand jedoch auf sich nimmt, wird mit den eindrucksvollsten virtuellen EIndrücken belohnt, die Privatpersonen derzeit erleben können. Neue Virtual-Reality-Spiele erscheinen bereits mit hoher Frequenz und das breite Angebot an Film- und Videounterhaltung wächst ebenfalls stetig.

Günstige Brillen, wie die “Oculus Rift S” gibt es schon ab 400 €, während Topmodelle wie die “Valve Index” mehr als das Dreifache kosten. Wer bereits einen High-End-Computer besitzt, kann damit direkt in die virtuelle Welt eintauchen. Muss dieser erst angeschafft werden, sind noch einmal hohe Ausgaben fällig…

Konsolen-Basiert

Auch für die Playstation 4 Spielekonsole steht mit der “The Playstation VR” eine eigene VR-Brille bereit. Die Kombination der beiden aufeinander abgestimmten Produkte erfreut sich großer Beliebtheit und dominiert den Markt für Konsolen-VR.

Andere Hersteller konnten bisher keine nennenswerten Erfolge erzielen oder haben schlicht noch keine VR-Lösung im Angebot. Auch der vergleichsweise günstige Preis von ca. 300 € für die Playstation VR-Brille könnte ein Grund für den Erfolg sein. Die Kosten für die Spielekonsole sind hier allerdings noch nicht mit eingerechnet.

Eigenständig

Produkte wie die “Oculus Quest 2” VR-Brille (ab 300 €, je nach Ausstattung) setzen auf Rechenleistung im Virtual Reality Headset selbst. Dies erlaubt dem Nutzer, ohne einen zusätzlichen Computer und (fast) unabhängig vom Anwendungsort die virtuelle Welt zu genießen.

In Sachen Leistung können eigenständige VR-Brillen nicht mit dem Output einer Spielekonsole oder eines High-End-PCs mithalten. Vergleichbare Rechenpower in das kleine Gehäuse eines VR-Headsets zu bringen würde sowohl hinsichtlich Kosten als auch Gewicht für Probleme sorgen.

Trotz geringerer Hardware-Leistung müssen sich die eigenständigen VR-Brillen jedoch nicht verstecken! Sie bieten tolle Virtual Reality Erlebnisse, einfache Handhabung (da keine Kabel im Weg sind) und glänzen vor allem durch den günstigen Gesamtpreis, da kein PC oder Konsole angeschafft werden müssen. Kein Wunder also, dass die Absatzzahlen vor allem unter Neueinsteigern, wachsen.

Welche Brille ist die richtige für mich?

Wer auf der Suche nach einer VR-Brille ist, muss sich über die geplante Anwendung klar werden. Möchte ich mir 360° Video Touren, Rundgänge oder Virtual Reality Filme ansehen und nur gelegentlich einfache Spiele ausprobieren, bin ich mit einer Mobile VR oder eigenständigen VR-Brille bestens ausgestattet.

Für aufwendige Games und realistische Simulationen führt hingegen kaum ein Weg an den teuren, PC- oder konsolengebundenen Lösungen vorbei (diese bieten natürlich ebenfalls die Möglichkeit, Videos und Filme zu betrachten).

Vor der Anschaffung ist außerdem auf das Alter und die Kompatibilität des Geräts zu achten, um sicherzugehen, dass die Brille auch für die gewünschten Einsatzzwecke geeignet ist. Insbesondere Brillenträger tun außerdem gut daran, die VR-Headsets vor dem Kauf anzuprobieren, da der Tragekomfort hier, je nach Modell, ganz unterschiedlich ausfallen kann.

Darauf ist bei AR-Brillen zu achten

Wer nicht komplett in eine virtuelle Welt eintauchen, sondern stattdessen die eigene Umgebung durch digitale Einblendungen erweitern möchte, greift zu AR-Brillen. Während sich im Bereich Virtual Reality in den letzten Jahren ein großer Markt mit einem breiten Angebot an unterhaltsamen Anwendungen gebildet hat, fristen AR-Brillen ein Nischendasein.

Für Privatpersonen sind die sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten sehr begrenzt. Abgesehen vom Einsatz im Sport, wo die eigene Performance mit Geräten wie der Kopin Solos Brille (ca. 500 €) erfasst werden kann, wird es schwierig, weitere Einsatzzwecke zu finden.

Die theoretischen potenziale im Bereich Unterhaltung bleiben, aufgrund der starken Augmented Reality Funktionalitäten der allgegenwärtigen Smartphones, bisher ungenutzt. Versuche der Firma Snap, eine eigene AR-Brille auf den Markt zu bringen, die bereits bestehende Effekte aus der hauseigenen App Snapchat nutzt, starteten bereits 2016 und konnten geringe Erfolge verzeichnen.

Die seit einiger Zeit angekündigte AR-Brille von Apple könnte 2022 in den Handel kommen und hat das Potenzial, den Markt für Privatanwender zu beflügeln. Ähnliche Versuche von Google scheiterten jedoch bereits Jahre zuvor, da das Interesse an den Geräten sehr gering ist – die Konkurrenz von AR-fähigen Smartphones und VR Brillen war in der Vergangenheit schlicht zu groß.

AR-Brillen in Industrie und Wirtschaft

Während AR-Brillen im Privaten kaum Verbreitung finden, sind sie im professionellen Bereich schon häufiger anzutreffen. Unternehmen wie DHL nutzen sie zum Beispiel bereits heute in Lagerhäusern, wo sie dem Träger den schnellsten Weg oder den Standort eines Objektes anzeigen.

Auch im Bereich Reparaturen und Wartung kommen die Geräte bereits zum Einsatz und können etwa unterschiedliche Komponenten komplexer Maschinen zuverlässig erkennen, hervorheben und den Nutzer mit wichtigen Informationen versorgen.

In der Industrie und Wirtschaft spüren AR-Brillen jedoch ebenfalls den starken Konkurrenzdruck durch AR-fähige Smartphones, Tablets und Co. Diese, für Endverbraucher optimierten Geräte, sind deutlich ausgereifter, vielseitig anwendbar und glänzen mit vergleichsweise niedrigen Preisen.

Während bereits günstige AR-Brillen für den professionellen Bereich, wie die “Vuzix Blade”, mit über 750 Euro zu Buche schlagen, können leistungsfähigere Systeme schnell mehrere Tausend Euro pro Brille kosten. In Kombination mit der hohen Empfindlichkeit und oft sehr schwachen Akkuleistung greifen daher auch Unternehmen in den meisten Fällen zu tragbaren Geräten, Smartphones und Co.

Obwohl dem Einsatz von AR-Brillen hohes Potenzial bescheinigt wird, steckt der Markt noch in den Kinderschuhen. Mehrere Hersteller buhlen um die Gunst der Kunden und beschränken sich oft auf eine spezielle Branche, sodass bisher keine Produkte eine nennenswerte, allgemeine Führungsrolle einnehmen konnten.

Es ist daher anzunehmen, dass noch einige Jahre ins Land gehen werden, bevor AR-Brillen ihre Vorzüge voll ausspielen können und in der Breite akzeptiert und eingesetzt werden. Bis dahin wird Augmented Reality auch weiterhin primär auf den Bildschirmen von Smartphones stattfinden.