360° Touren sind zwar kein neues Konzept, aber sie haben in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit von verschiedenen Medien erhalten.

Das Wall Street Journal hat dieses Jahr als das Jahr der virtuellen Realität bezeichnet, da sowohl Google als auch Facebook erhebliche Investitionen in VR/AR-Technologien tätigen. Die New York Times gab uns einen Einblick in zwei verschiedene Anwendungen, die es den Nutzern ermöglichen, auf dem Mars zu laufen oder das Leben auf der Erde aus der Perspektive eines anderen zu erleben (z.B. über 1 Million Migranten durchqueren jährlich Mexiko). Es gibt sogar eine eigene Plattform für die Verbreitung dieser immersiven Erlebnisse namens Within, die sich mehrerer hochkarätiger Partner rühmen kann, darunter Discovery Channel und Vice News.

Was genau ist also der Reiz hinter 360° Videos? Und warum haben so viele Nachrichtenagenturen ihnen so viel Aufmerksamkeit schenkt?

In den letzten zwei Jahren haben wir eine steigende Anzahl von Marken gesehen, die 360° Videos nutzen, um ihre Markengeschichte zu erzählen. Was ich an diesen Videos interessant finde, ist, wie einfach sie von Marketern genutzt werden können, um eine Botschaft zu kommunizieren, die sonst teure Produktionsressourcen erfordern würde (z.B. Virtual Reality). Aber warum haben einige Marken tatsächlich in die Entwicklung von 360°-Videos investiert und was hoffen sie damit zu erreichen? Laut dem Wall Street Journal sagen mehrere Unternehmen, dass 360°-Videos ihnen geholfen haben, ihr Publikum zu erweitern, indem sie neue demografische Gruppen erschlossen haben (z.B. haben die Zuschauer von Google Cardboard einen dreifachen Sprung von 2015-2016 erlebt). Es war auch erfolgreich für diejenigen, die die Verweildauer auf ihrer Website erhöhen wollten: 1 Minute pro Besuch ist zum neuen Standard geworden und einige Unternehmen haben eine Steigerung der Verweildauer von bis zu 100% mit einer 360° Tour gesehen.

Unserer Meinung nach ist der einzigartige Aspekt dieses Formats, dass es Marketern erlaubt, ihre Geschichte aus der Perspektive des Nutzers zu erzählen. Es gibt ihnen die Möglichkeit, immersiv zu sein, ohne Millionen in Produktionsressourcen investieren zu müssen. Ein 360° Video kann Nutzer in ein Markenerlebnis bringen, als ob sie tatsächlich dort wären. Und es kommt noch besser: Es ist erwiesen, dass Marken, die ihren Kunden die Möglichkeit geben, sich mit Inhalten zu beschäftigen (wie z.B. Produkttouren), im Vergleich zu nicht-interaktiven Inhalten einen Anstieg des Engagements und der Verkaufszahlen verzeichnen. Wenn wir also darüber nachdenken, sind 360° Videos ähnlich wie Webinare: sie ermöglichen es Vermarktern, ein fesselndes Erlebnis zu liefern und dabei im Rahmen ihres Budgets zu bleiben.

Aber wie kannst du sie nutzen, um deine Markengeschichte zu erzählen? Wir haben einen kurzen Leitfaden zusammengestellt, wie du das Beste aus deinem 360°-Video-Content herausholen kannst:

1) Denk an die Einfachheit.

360°-Videos sind am besten geeignet, wenn sie kurz und einfach zu sehen sind (d.h. keine schnellen Schnitte oder Szenenwechsel). Denke daran, es geht nicht darum, wie viel du in dein Video einbaust, sondern wie du es den Nutzern präsentierst. Die allgemeine Faustregel ist 5 Minuten pro Minute Filmmaterial; wenn nötig, empfehlen wir, deine Geschichte in kürzere Stücke zu unterteilen, damit sie leichter zu sehen ist. Und wie bei jedem anderen Marketing-Asset, teste verschiedene Versionen mit deinem Ziel Publikum, um herauszufinden, was bei ihnen am besten ankommt.

2) Überlege dir, wohin dein Zuschauer schauen soll.

Was ist der Unterschied zwischen einem normalen Video und einem 360° Video? Ersteres filmt alles, was sich vor der Kamera befindet, aber ein 360° Video berücksichtigt, was rundherum passiert. In diesem Sinne ist es wichtig zu überlegen, wo deine Hauptaktion im Verhältnis zu dem, was der Nutzer sieht, stattfindet: Wenn du ein immersives Format verwendest, um Kunden zu zeigen, wie ein Artikel aus verschiedenen Blickwinkeln aussieht (z.B. Schuhe), dann lass sie sich auf diesen Bereich konzentrieren, indem du das Produkt im Rahmen platzierst. Wenn du aber möchtest, dass die Nutzer in deine Umgebung eintauchen (d.h. eine lager), dann stelle dein Produkt nicht in den Vordergrund.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Video, das Francesco Risso (Video Producer) für die SBB gemacht hat, um ihre neuen InterCity-Züge vorzustellen. Darin sehen wir, wie die Passagiere in einem alten Zug von einer Seite der Schweiz zur anderen transportiert werden; im Gegensatz dazu finden wir beim Einsteigen in den neueren Zug alle möglichen Annehmlichkeiten wie kostenloses WiFi und Steckdosen für mobile Geräte. Aber anstatt dieser Features sofort zu zeigen, werden sie erst enthüllt, sobald du dich umschaust – ähnlich wie du sie auf einer echten Fahrt erleben würdest.

3) Überlege dir, in welche Richtung die Nutzer am häufigsten schauen werden.

Bevor du mit der Kamera in360° filmst, frage dich: wird das Video hauptsächlich im Hoch- oder Querformat angeschaut? Wenn du dich für Ersteres entscheidest, dann stelle sicher, dass die Hauptaktion auf der kurzen Seite des Bildschirms stattfindet; wenn es ein Querformat ist, dann platziere dein interessantestes Element im schmalsten Teil.

4) Mache die Navigation zu einem Kinderspiel.

360°-Videos mögen immersiv sein, aber sie sind immer noch lineare Erlebnisse. Wenn du ein Video in 360° erstellst, solltest du dies im Hinterkopf behalten und den Nutzern leicht verständliche Hinweise geben, damit sie sich nicht verirren (z.B. Pfeile, wo sie als nächstes hinschauen sollen). Du kannst auch angeben, in welche Richtung sie schauen sollen, indem du ihnen Anweisungen gibst, bevor du mit dem Filmen beginnst (z.B. „schau dich um“ oder „finde etwas Ungewöhnliches“). Teste die verschiedenen Arten von verfügbaren 360-Grad-Inhalten

Einer der ersten Schritte bei der Erstellung einer völlig neuen Art der Interaktion ist es, sie einfach auszuprobieren. Zum Glück haben wir vier verschiedene Möglichkeiten entwickelt, um deine Fotos und Videos in immersiven Formaten zu präsentieren: sphärisches Video (der Betrachter kann sich überall innerhalb einer Szene bewegen), Photosphäre (eine horizontale Aufnahme von einem festen Punkt aus), „Virtual Reality“-Video (wie beim Fernsehen) und VR-Panorama (der Nutzer muss sich drehen, um zu sehen, was dahinter ist). Wenn du also gerade erst mit dem Erlebnismarketing anfängst, wähle die Option, die sich für dich am angenehmsten anfühlt – oder erstelle sogar ein paar Versionen mit mehreren Formaten!

5) Achte darauf, dass es ein Extra für mobile Nutzer gibt.

Der kleinere Bildschirm auf Smartphones macht es schwieriger, ein 360°-Erlebnis aufzunehmen. Deshalb ist es für mobile Nutzer besonders wichtig, sich auf die Haupthandlung zu konzentrieren – ob das nun das Produkt oder die Umgebung ist (siehe Tipps 2 und 3). Wenn du ein Objekt zeigst, verwende einen helleren Hintergrund, um nicht von dem abzulenken, was sie am meisten sehen müssen; das haben wir zum Beispiel gemacht, als wir mit Zalando gefilmt haben, indem wir die Produkte beleuchtet haben, aber die Regale dunkel gelassen haben.

6) Denke darüber nach, wie du VR in deine Events einbauen kannst.

VR-Headsets sind immer noch ziemliche Nischengeräte, was bedeutet, dass diejenigen, die sie besitzen, in der Regel sehr technikbegeistert sind. Wenn du also diese Early Adopters erreichen willst, ohne mit etwas zu weit außerhalb der Komfortzone deiner Marke zu gehen super neu, erwäge VR in deine Events einzubauen. Google zum Beispiel nutzt Cardboard, um das Potenzial seiner Produkte auf Tech-Konferenzen zu demonstrieren – und diese Markenbotschafter schaffen nicht nur einen Buzz unter Early Adopters, sondern sammeln auch Leads, indem sie nach dem Ausprobieren Kontaktdaten für weitere Informationen weitergeben.

7) Spare Zeit beim Set-up mit 360°-Videoausrüstung.

Es gibt viele Möglichkeiten, Virtual-Reality-Videos zu filmen: Die Verwendung von DSLR-Kameras mit Fischaugenobjektiv ist eine Option, während andere neuere verbraucherfreundliche Kameras verwenden, die speziell für VR entwickelt wurden. Egal für welche Ausrüstung du dich entscheidest, denke daran, dass es länger dauern wird als das Filmen von normalen Inhalten, da alles vor der Aufnahme perfekt eingerichtet werden muss (schließlich kann nichts mehr bewegt werden, wenn es einmal gefilmt wurde).

8) Stelle sicher, dass du genug Speicherplatz hast.

Ein 4K-Video, das im sphärischen Format gedreht wurde, benötigt im Vergleich zu normalen HD-Inhalten eine Menge Speicherplatz, was eine Herausforderung sein kann, wenn du auf mehreren Geräten drehst. Bevor du mit dem Filmen von Virtual-Reality-Videos beginnst, solltest du sicherstellen, dass du genug Platz auf deiner Festplatte hast. Andernfalls solltest du dich nach einem Cloud-Speicher umsehen, um die schweren Dateien am Ende des Tages auszulagern.

9) Bewirb dein VR-Erlebnis mit Geotags.

Es sollte keine Überraschung sein, dass Virtual Reality ein großartiger Weg ist, um hyperlokales Marketing zu betreiben – vor allem, weil es die Nutzer in ihre unmittelbare Umgebung eintauchen lässt (z.B. durch das Verfolgen, wie sie interagieren mit einer bestimmten Gegend). Das bedeutet, dass du Kunden (und potenzielle Kunden) nicht nur über das Geschehen im Video, sondern auch über die Umgebung begeistern kannst, indem du bestimmte Geotags mit deinen VR-Videos postest: sei es ein Festival, das sie besuchen, oder ein Büro, in dem sie täglich arbeiten.

10) Prüfe die Kompatibilität, bevor du Inhalte freigibst.

Zu guter Letzt solltest du sicherstellen, dass deine Inhalte mit den verschiedenen mobilen Plattformen und Geräten kompatibel sind – andernfalls müssen die Betrachter ihre Videos auf einem Desktop-Computer abrufen. Da die meisten Browser noch keine 360°-Wiedergabe unterstützen, empfehlen wir, dein Video so hochzuladen, dass die Nutzer es zumindest direkt auf Facebook ansehen können, indem sie sich mit der Maus umsehen. #VRM #AugmentedReality #MixedReality